15. Qualitätsforum des QVH e.V. – Hilfsmittelversorgung im Zeichen von ICF und Evidenz
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 12. November 2026 laden wir Sie herzlich zum 15. QVH-Qualitätsforum in das Ludwig-Erhard-Haus nach Berlin ein.
Unter dem Leitthema „Qualität spart Kosten – Hilfsmittelversorgung im Zeichen von ICF und Evidenz“ zeigen wir auf, dass eine hochwertige Versorgung kein Kostentreiber, sondern der effektivste Weg zur nachhaltigen Entlastung der Sozialkassen ist.
Die Eckdaten im Überblick:
- Datum: Donnerstag, 12. November 2026
- Zeit: 10:30 bis 17:00 Uhr
- Ort: Ludwig-Erhard-Haus, Fasanenstraße 85, 10623 Berlin
Warum Sie dieses Jahr unbedingt dabei sein sollten: Wir stehen vor einem digitalen Systemwechsel. Der Spardruck steigt, doch reine Kostenfokussierung führt in die Sackgasse. Auf dem Qualitätsforum 2026 übersetzen wir komplexe Herausforderungen in konkrete Lösungswege:
- Nutzen radikal messbar machen (Value-Based Healthcare): Erfahren Sie, wie wir durch ICF-basierte Bedarfsermittlung, systematische Patientenbefragungen (PROMs) und Registerdaten die Versorgungsqualität in glasklare Fakten verwandeln.
- Bürokratie spürbar kappen: Wir zeigen auf, wie der anstehende Wandel (ICD-11) als „Entlastungs-Joker“ genutzt werden kann, um Ärzte von Dokumentationsschleifen zu befreien und Genehmigungsprozesse massiv zu beschleunigen.
- Fristen und Festbeträge realitätsnah gestalten: Wir diskutieren schonungslos, wie sich die neue Gesetzgebung (§ 36 SGB V) in die Praxis übersetzen lässt, um marktgerechte Festbeträge zu sichern und fatale Versorgungsverzögerungen – von der Orthopädie-Technik bis zur Kinder-Reha – wirksam zu stoppen.
Leitthema:
Gute Hilfsmittelversorgung ist kein Kostenfaktor, sondern ein nachhaltiger Kostensenker für die Sozialkassen. Durch ICF und Registerdaten machen wir den Patientennutzen messbar, entlasten Ärzte spürbar von Bürokratie und schaffen das Fundament für realitätsnahe Festbetragsregelungen.
QVH-Qualitätsforum 2026: Die Kernbotschaften
Qualität sichert Wirtschaftlichkeit: Hilfsmittel sind kein Kostenfaktor, sondern eine lohnende Investition. Sie verhindern Pflegebedürftigkeit, sichern gesellschaftliche Teilhabe und entlasten die Sozialkassen nachhaltig – entsprechend der WHO-ICF, die Hilfsmittel als zentrale Förderfaktoren definiert.
Erfolg wird konkret messbar: Der „Gutenbrunner-Pfad“ und systematische Patientenbefragungen (PROMs) verwandeln Versorgungsqualität in glasklare, quantifizierbare Fakten für den Dialog mit Politik und Krankenkassen.
ICD-11 als Schlüssel zur Entlastung: Der anstehende digitale Systemwechsel muss genutzt werden, um Bürokratie radikal zu kappen, Prozesse zu automatisieren und Ärzten im Verordnungsalltag wieder Luft zum Atmen zu verschaffen.
Praxisnahe Verfahrensordnung zur Festbetragsermittlung: Eine rasche Umsetzung ist unerlässlich, um Unterversorgung zu verhindern. Einheitliche Regeln zur Preis- und Absatzübermittlung müssen realistische, qualitätssichernde Festbeträge sowie automatische, marktgerechte Preisanpassungen garantieren.
Grußworte aus dem Gesundheitsministerium
Block I: Qualitätssicherung & Patientennutzen
- Der „evidenzbasierte Pfad“: Von der ICF zum Outcome
Zentrales Thema: Value-Based Healthcare. Hilfsmittel werden nicht mehr nach Materialpreis, sondern nach Wirkung vergütet.
Der Dreiklang:
- ICF-basierte Bedarfsermittlung: Präzise Auswahl des Hilfsmittels.
- Versorgung: Qualitativ hochwertige Bereitstellung.
- PROMs (Patient-Reported Outcome Measures): Systematische Patientenbefragung zur Erfolgsbeurteilung.
Speaker: Prof. Dr. med. Christoph Gutenbrunner (President of Rehabilitation International)
- Value-Based Healthcare
Zentrales Thema: Es zählt der tatsächliche, patientenrelevante Nutzen, der das Verhältnis aus erzieltem Behandlungsergebnis und dem Aufwand beschreibt.
- ICF als Qualitätsmaßstab: Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit.
- Der Arzt als Koordinator im Team: In der Bedarfsermittlung und dem Versorgungsmanagement (bei Hilfsmitteln wie Prothesen).
- Einbezug von Umweltfaktoren: Ein zentraler Aspekt der ICF-basierten Bedarfsermittlung ist die Berücksichtigung der persönlichen Lebensumstände
Speaker: Prof. Dr. Bernhard Greitemann (Deutsche Gesellschaft für interprofessionelle
Hilfsmittelversorgung (DGIHV) e. V.)
- Sachstandsbericht: Projekt Registerforschung QVH
Zentrales Thema: Daten statt Vermutungen. Wo stehen wir mit dem Pilotprojekt im Hilfsmittel-Register?
Fokus: Nutzung von Real-World-Data zum objektiven Nachweis der Wirksamkeit und Versorgungsqualität von Hilfsmitteln in der PG 31 beim diabetischen Fußsyndrom. Ziel ist die Etablierung eines standardisierten, qualitätsgeleiteten Versorgungsprozesses zur kontinuierlichen Bewertung und Verbesserung der Versorgung sowie zur Vermeidung von Komplikationen und Rezidiven. Begleitend werden Praxistauglichkeit, Akzeptanz, Vollständigkeit und Datensicherheit des Registers im Versorgungsalltag evaluiert.
Speaker: Dr. Annette Kerkhoff (Studiengemeinschaft Orthopädieschuhtechnik e.V., Wissenschaftliche Begleitung der Registerforschung des QVH)
Block II: Systemdesign & Strukturreformen
- Die eVerordnung aus ärztlicher Sicht: Praxisnaher Bürokratieabbau
Zentrales Thema: Die Digitalisierung des Verordnungsprozesses als Hebel für effizientere Abläufe: Wie lässt sich die flächendeckende eVerordnung für Hilfsmittel so umsetzen, dass sie den Spagat zwischen technischer Machbarkeit und echtem Bürokratieabbau im Praxisalltag meistert?
Fokus: Praxisnaher Bürokratieabbau durch digitale Prozesse: Vermeidung von Medienbrüchen, Reduktion von Dokumentationsschleifen und eine reibungslose Datenübermittlung. Welcher Voraussetzungen bedarf es, um den Arzt wirksam zu entlasten und die Versorgung der Patienten zu beschleunigen?
Speaker: Julius Lehmann (Abteilungsleiter veranlasste Leistungen der KBV)
- Weiterentwicklung der Festbetragssysteme: marktresponsiv, wirtschaftlich und versorgungssicher
Zentrales Thema: Welche Anforderungen und Handlungsspielräume ergeben sich aus § 36 Abs. 3 und 4 SGB V für die Ausgestaltung marktresponsiver Festbeträge – und wie lassen sich die gesetzlichen Vorgaben rechtssicher sowie praktikabel umsetzen?
Fokus: Die neuen gesetzlichen Vorgaben aus der Perspektive des GKV-Spitzenverbandes: Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Festbetragsregelungen ohne neue Bürokratie flexibel und zeitnah auf Marktveränderungen reagieren können – gestützt auf eine belastbare Datengrundlage und klare wirtschaftliche Kriterien.
Speaker: Maria Wachsmann (GKV-Spitzenverband – Referatsleitung Hilfsmittel)
- Bürokratie minimieren am Beispiel PG 08
Zentrales Thema: Dynamische Weiterentwicklung des Hilfsmittelverzeichnisses – ein konstruktiver interdisziplinärer Vorschlag zur Entbürokratisierung
Fokus: Wie veraltete Produktgruppen-Logiken den medizinisch-technischen Fortschritt ausbremsen. Notwendigkeit eines Systemwechsels: Weg von der reinen Material- und Sachkostenbetrachtung hin zur adäquaten Abbildung von handwerklicher Präzisionsarbeit, digitaler Messtechnik (z. B. Bewegungsanalysen/3D-Scans) und begleitendem Dienstleistungsaufwand.
Speaker: Dr. Hartmut Stinus (Vorsitzender des DGOOC-Beratungsausschusses für Orthopädieschuhtechnik, Vorsitzender des Kuratoriums der Initiative’93 Technische Orthopädie und Beirat der GFFC)
- Gesetze auf dem Prüfstand: Wie verbindlich sind rechtliche Vorgaben in der Versorgungsrealität?
Zentrales Thema: Rechtssicherheit und Verbindlichkeit durchsetzen – Bürokratische Blockaden, Bearbeitungsverzögerungen und das Ignorieren gesetzlicher Fristen durch Krankenkassen wirksam unterbinden.
Perspektive 1 (Orthopädie-Technik): Fristenfrust statt Versorgungssicherheit – Durchsetzung der Genehmigungsfiktion
Fokus: Gesetzliche Fristen sind wirkungslos ohne Konsequenzen. Warum unbegründet verschleppte Anträge automatisch als bewilligt gelten müssen (Genehmigungsfiktion), um Patienten und Leistungserbringer vor bürokratischen Verzögerungstaktiken zu schützen.
Speaker: Kirsten Abel (Sprecherin des Präsidiums des BIV-OT, Generalsekretärin Wir versorgen Deutschland e.V.)
Perspektive 2 (Kinder-Reha & SPZ): Papierkrieg auf Kosten der Kleinsten – Versorgungsansprüche in der Pädiatrie konsequent realisieren
Fokus: Trotz fachärztlicher Verordnung in Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) scheitert die Praxis oft an endlosen Prüfschleifen der Kassen. Warum bestehende Gesetzgebungen am Kind vorbeigehen, welche Konsequenzen Versorgungsverzögerungen für die kindliche Entwicklung haben und wie Sonderprüfungen radikal gekürzt werden müssen.
Speaker: Christiana Hennemann (Geschäftsführung & Vorstandsmitglied Internationale Fördergemeinschaft rehaKIND e.V.)
- Podiumsdiskussion mit allen beteiligten Referenten
„Kostentreiber oder Sparbuch? Die Hilfsmittelversorgung im Stresstest“
Reichen Registerdaten, PROMs und der „Gutenbrunner-Pfad“ aus, um Kostenträger von den langfristigen Einspareffekten hoher Qualität zu überzeugen?
„Von Daten zu Taten: Wie ICD-11, ICF und § 36 SGB V die Versorgung verändern“
Wie gelingt der Spagat zwischen scharfen Offenlegungspflichten für Leistungserbringer und einem spürbaren Bürokratieabbau im ärztlichen Verordnungsalltag?
„Spardruck vs. Patientennutzen: Wer zahlt die Zeche für die Hilfsmittelversorgung von morgen?“
Gefährdet die verschärfte Festbetragslogik des § 36 SGB V die Versorgungsqualität? Wie lässt sich Qualität durchsetzen, solange Kostenträger im Sektordenken verharren und reine Wirtschaftlichkeitsreserven priorisieren?
Wir freuen uns darauf, die Zukunft der Hilfsmittelversorgung im November gemeinsam mit Ihnen zu gestalten!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr QVH-Team